Baden wie die Fugger

Augsburg ist Fuggerstadt. Regelmäßige Achsen, gegliederte Fassaden und von Arkaden gefasste Innenhöfe sind Abbild einer Architektur der Ordnung und Proportion, die sich in der Stadtstruktur von Augsburg sowie einzelnen Renaissance-Palästen widerspiegeln. Im Wettbewerb für den Neubau des Spickelbads haben wir diese Prinzipien in die Gegenwart übertragen und den 1.Preis erhalten: Der Säulengang führt, das Raster ordnet und die Fassade schafft Raum.

Ordnung nach Augsburger Maß

Zwischen Altstadt und Zoo am Kaufbach gelegen, wird ein Neubau das Hallenbad von 1971 ersetzen. Über die Jahre war es zu einem verwinkelten Gefüge geworden: erst hoch, dann runter, dazu eine Terrasse mit Höhenversatz. Der Neubau setzt dem eine klare, ebenerdige und somit barrierefreie Struktur entgegen, die alles auf einer Ebene organisiert. Von außen tritt der Baukörper für BesucherInnen als eingeschossiges Volumen in Erscheinung und fügt sich in die Maßstäblichkeit seines Kontexts ein. Nur dort, wo die beiden Schwimmbecken an Raumhöhe verlangen, wächst er in die Höhe und ermöglicht mittels eines Fensterbands Tageslicht sowie Wärmeeintrag von außen, wodurch sich Energieeinsparungen ergeben. Eine gestaffelte Dachlandschaft macht diese innere Ordnung sichtbar.

In Analogie zu den Arkaden, die sich in der Altstadt finden, nimmt ein Säulengang mit Holzstützen vor der nördlichen und westlichen Fassade den Bezug zur Augsburger Bautradition auf und wird zur Schwelle zwischen Stadt und Badelandschaft. Die vertikalen Lamellen der Fassade binden die unterschiedlichen Bereiche und Höhen zusammen und spielen zugleich mit Einblicken sowie Licht und Schatten. Der Säulengang leitet die BesucherInnen vom Parkplatz im Westen und vom Vorplatz im Norden zum neuen Haupteingang des Gebäudes. Die Wege des Bestands werden aufgenommen, die Eingänge von Hallen- und Freibad jedoch zu einem gebündelt. Für Schulen und Vereine befindet sich ein separater Eingang im Süden, der zu einem vorgehaltenen Umkleidebereich im Inneren führt. Dieser lässt sich mit einer hybriden Zone flexibel an die öffentlichen Umkleiden koppeln.

Baden mit den Jahreszeiten

Die Qualität des Entwurfs liegt im Verhältnis zwischen Innen und Außen. Der Neubau bildet mit den dienenden Räumen einen geschützten Rücken in Richtung Ankunft aus. Zum bestehenden Freibad mit Wasserflächen, Naturbecken im Kaufbach und Landschaft hingegen öffnet sich das Hallenbad großzügig mit einer Faltfassade.

Je nach Jahreszeit verschwimmt so der Übergang zwischen den beiden Bädern. Das Freibad tritt herein, die Halle wird zum Außenraum. Zwei Bäder werden zu einem Kombibad. Die hybride Übergangszone spendet Schatten für die Liegen. Auch der Freiraum ist Teil des Konzepts: Bäume werden erhalten und durch Baumrigolen und klimaresiliente Neupflanzungen ergänzt.

Die Lage im Tal der Nidda sowie das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen bestimmen das Projekt auch konstruktiv: es folgt einer hybriden Logik. Aufgrund des hohen Grundwasserstands und Hochwasserrisikos wird das Gebäude aus dem Gelände gehoben und die Unterkellerungen auf ein Minimum reduziert. Ein Großteil der technischen Infrastruktur sowie Personalbereiche befinden sich daher im Obergeschoss.

Holz trägt Wasser

Das Raster trägt das Haus und gliedert die Schwimmbereiche in drei Zonen: das 25-Meter-Sportbecken der Wettkampfkategorie C, den Kinderbereich sowie das Lehrschwimmbecken. Das Holztragwerk überspannt die Schwimmbecken, bleibt sichtbar und verleiht der Halle eine warme Atmosphäre.
Das Tragwerk ist in elementierter Holzbauweise konzipiert und auf Langlebigkeit sowie Nachhaltigkeit ausgerichtet. Auch der hohe Ressourcenbedarf im Betrieb eines Hallenbads wurde zum Entwurfsthema. Einerseits reduziert die Lüftung mit Wärmerückgewinnung den Energiebedarf, andererseits wird Regen-, Grau- und Rückspülwasser gesammelt, aufbereitet und genutzt. Der bleibende Energiebedarf wird über Photovoltaik-Module auf den Dächern und Fernwärme gedeckt.

Der Neubau des Spickelbads liest sich als eine Neuinterpretation der Architektursprache, die Augsburg seit Jahrhunderten prägt.

Projektinformation

Projektname: Spickelbad Augsburg

Ort: Augsburg

Projektart: Ersatzneubau

Bauherr: Stadt Augsburg

Fertigstellung: voraussichtlich 2030

Kooperation: Möller + Meyer GmbH Gotha, whp GmbH, uniola GmbH, EGS-plan mbH, Corall Ingenieure GmbH, Raible + Partner GmbH & Co. KG

Projektteam: Tobias Baumann (stv. Projektleiter), Julian Duder,  Tamer Nasifoglu (Projektleiter)

Visualisierung: Moka Studio / Pläne: asp Architekten GmbH