
Wie gestalten wir Wandel?
Die Strukturen des Gewerbegebietes in Leinfelden sind in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen wie in vielen anderen Gewerbegebieten: Zwischen Erschließungsstraßen, die als Grundlage fungierten, wurden Parzellen angeordnet, die, je nach Bedarf, unterschiedlich groß entwickelt werden konnten. Dies führte zu stark funktionalisierten Gebieten, die wenig Orientierung und Begegnungsräume aufwiesen. Die neuen Bedarfe der heutigen Arbeitswelten, wie Versorgung, Begegnung und Austausch können diese Quartiere nicht ohne weiteres bedienen. Eine weitere Entwicklung: Durch unser vernetztes, globalisiertes Wirtschaften hat die überregionale, kontinentale Anbindung einen noch größeren Stellenwert erhalten. Durch seine gute infrastrukturelle Anbindung an das Stuttgarter S-Bahn-Netz sowie den Flughafen bietet der Standort Leinfelden also ein großes Potential.

Collision Toolbox
Bislang teilt die S-Bahn- und Stadtbahntrasse den Stadtteil in zwei monofunktionale Räume: So ist die eine Seite der Bahn von kleinteiligeren Strukturen geprägt, während die andere Seite des Stadtteils von Gewerbeflächen geprägt ist. Mit Hinblick auf die gewachsenen Strukturen stellt sich die Frage der Identität, der übergeordneten Wegeverbindung, der Verknüpfung von Landschaftsräumen und einem höheren Bedarf an Versorgungseinrichtungen im Gewerbegebiet. Veränderte Anforderungen der Arbeitswelt stellen die Trennung und Monofunktionalität infrage. Unter dem Begriff „Sprung über die Gleise“ sollte als elementarer Aspekt der Entwurfsaufgabe eine Verbindung dieser beiden Teile geschaffen werden.




Monofunktionale Landschaft vernetzten
Anbindung nutzen
Qualifizierung durch Nutzungsmischung
Klimaneutralität anstreben
Unser Entwurf ist durch einen programmatischen Ansatz geprägt: Wir entwickeln keine konkreten Architekturen, sondern setzen an bestehenden Strukturen Initialzündungen, die eine zukunftsfähige Weiterentwicklung ermöglichen – offen und flexibel.
Auf den ersten Blick fallen in Leinfelden die monofunktionalen Strukturen ins Auge. Erst auf den zweiten Blick lässt sich eine Nutzungsmischung erkennen, die bereits eine Bedeutung in der Vernetzung der beiden Seiten von Leinfelden einnimmt: Entlang dreier strategischer Achsen befinden sich Handel- und Gewerbeflächen sowie Wohnen, Dienstleistung und Entwicklung. Die dritte Achse ist geprägt von der grundlegenden Transformation des dortigen Bosch-Standortes. Einst als Produktionsstandort entwickelt, soll die Produktion verlagert und stattdessen den Bereichen Forschung und Entwicklung Raum gegeben werden.




Gewerbe
Landschaft vernetzen
Erschließung
Klimaanpassung + Artenschutz
Zonen
Transformationszonen
Flexible Zonen
Nachbarschaften
Impulsgeber
Begegnungs- + Identitätsorte
Collision Toolbox
Vielfalt ermöglichen
Innovation fördern

Ausgehend von diesen drei Achsen haben wir keine Architekturen entwickelt, sondern Zonen, an denen sich Begegnungs- und Versorgungseinrichtungen an zentralen Erschließungspunkten treffen. Anstelle von konkreten Setzungen denken wir in flexiblen Entwicklungszonen und setzen Impulse für Typologien, die Nutzungsmischung fördern. Das heißt: Wir betrachten ausschließlich die Erschließung, die Flächen zwischen den Gewerbegebieten bleiben unberührt. Die These ist: Wenn sich die Achsen entwickeln, können sich in Zukunft die Flächen dazwischen flexibel verändern. Die Achsen sind präzise gestaltet und bieten neue Aufenthaltsqualitäten – von einer übergeordneten Grünraumvernetzung, die eine Klimaanpassung möglich macht, über Angebote, die die Arbeitsorte ergänzen und die Firmenkultur stärken, bis hin zu Kitas und Nahversorgung. Durch diese Sondernutzungen entsteht ein funktionaler ebenso wie sozialer Austausch über die Bahntrasse hinweg. Es entstehen Orte, die für die Gesamtstadt eine neue Bedeutung bekommen. Ein Sprung über die Gleise.

Projektinformation
Name: Urbane Mitte Leinfelden – Gewerbegebiete im Spannungsfeld zwischen Innovation und Flexibilität
Art: Kooperatives Verfahren 3. Rang
Ort: Leinfelden-Echterdingen
Jahr: 2026
Kooperation: StetePlanung I INOVAPLAN GmbH, Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg, Transsolar Energietechnik GmbH
Team: Jana Melber, Hriday Bharaj, Ellen Henriques, Maximilian Baur, Viktoria Steiner
Visualisierung: asp Architekten GmbH

