
Hochstaplerin
In Monheim am Rhein ist eine der ersten Achtfach-Sporthallen Europas entstanden.
Wo wenig Raum zur Verfügung ist, aber viele (Nutzungs-)Anforderungen zusammenkommen, bedarf es einer ausgeklügelten Planung. Durch Stapeln als Bauprinzip hat der Hybridbau eine angemessene Maßstäblichkeit erhalten und erscheint trotz seines Volumens sehr kompakt. Das Projekt ist in Zusammenarbeit von asp Architekten und der Nüssli Group als Generalübernehmerin entstanden.
In Monheim am Rhein sollte auf dem Gelände des Schulzentrums am Berliner Ring die frühere Mehrfachsporthalle abgerissen und durch eine neue Achtfach-Sporthalle sowie weitere Schulgebäude ersetzt werden. In der Herausforderung des Projekts liegt gleichzeitig auch seine Intelligenz: Verschiedene Anforderungen hinsichtlich Effizienz und Nachhaltigkeit haben zu einer konstruktiven, nachhaltigen Vielfalt geführt, die in einer klaren Architektursprache zusammengefasst wurde.


Der Neubau besteht aus zwei Gebäuden: Der eigentlichen Sporthalle, die auf 4.400 Quadratmetern und zwei Ebenen jeweils vier Halleneinheiten vereint, sowie einem Nebengebäude mit 3.000 Quadratmetern, in dem Umkleiden, Sanitär- und Technikräume sowie Lager und Foyer untergebracht sind. Allein aufgrund ihrer funktionalen Anforderungen haben sich für die Sporthalle und Nebengebäude unterschiedliche Konstruktionen ergeben.
So sollten in der Sporthalle insgesamt acht Hallen untergebracht werden. Durch Stapeln als Bauprinzip ist es gelungen, auf zwei Ebenen je vier Halle anzuordnen, die bei Bedarf zusammengeschlossen werden können. Konstruktiv war hierfür eine Kombination aus Leicht- und Massivbau notwendig. So wurde die untere Ebene als Betonmassivbau ausgeführt, um die großen Lasten der darüberliegenden Hallen tragen zu können. Die obere Ebene wiederum wurde in Holz als Leichtbau konstruiert. Um eine angemessene Höhe des Baukörpers zu wahren, wurden die unteren, wettkampftauglichen Hallen eingegraben.



Das angrenzende Nebengebäude mit seinen logistischen und technischen Nutzungen wurde als einfacher Holzhybridbau realisiert: Abgesehen von den Treppenhauskernen aus Beton wurde das Gebäude als Holzskelettbau aus circa 600 Holzelementen errichtet. Die Fassade wurde in Holztafelweise mit Holzverkleidung realisiert. Zur weiteren Auflockerung des Volumens und als Referenz auf die umliegende Wohnbebauung wurde die Sporthalle mit einem gefalteten Sheddach und das Nebengebäude mit einem Flachdach versehen.
Durch die verschiedenen Anforderungen haben sich ein großes Volumen und eine konstruktive Vielfalt ergeben. Für eine klare Fassadengestaltung und eine angemessene Maßstäblichkeit gegenüber dem städtebaulichen Kontext, wurde die Sporthalle in eine semitransparente Fassade gegliedert. Gleichzeitig lässt sich dadurch die Nutzung des Gebäudes von außen schemenhaft erahnen. Während die Sporthalle in einer vorgehängten, lichtgrauen Fassade erscheint, hat das Nebengebäude eine charakteristische Fassade aus Lärchenholz erhalten.



Die Erschließung der Sporthalle erfolgt ebenerdig über den Vorplatz, der gleichzeitig als Außenfoyer für die BesucherInnen fungiert. Während für den Betrieb durch Sportvereine und Schulen die Nebeneingänge genutzt werden, die direkt zu den Umkleiden für die unteren Hallen führen, gelangen die BesucherInnen von Veranstaltungen über einen großzügigen Eingangsbereich in die Lobby und von dort aus zur Tribüne, die Platz bietet für 500 ZuschauerInnen. Umkleidekabinen für die oberen Hallen finden sich im 1. Obergeschoss, im 2. Obergeschoss sind Lehrerzimmer, Krafträume, Gymnastiksäle sowie eine Galerieebene mit Ausblick auf die Halle mit Boulderwand untergebracht. Nicht nur die Hallen untereinander, auch die Galerieebene kann über einen Trennvorhang abgetrennt werden.
Die klare architektonische Gesamtkonzeption findet ihre Entsprechung in der Gestaltung der Innenräume wieder: Je Ebene wurde ein eigenes Farb- und Materialuniversum entwickelt. Auch hier wurde der Einsatz von ressourcenschonenden Materialien berücksichtigt und auf möglichst minimalen Materialeinsatz geachtet.



Projektinformation
Projektname: 8-fach Sporthalle am Berliner Ring, Monheim am Rhein/DE
Ort: Monheim am Rhein/DE
Projektart: Neubau
Fertigstellung: 2025
Bauherr: Stadt Monheim am Rhein/DE
Kooperation: sbp SE, Stuttgart (Tragwerk) / Ingenieurplanungen Gebäudetechnik GmbH Herzner und Schröder, Gunzenhausen (TGA) / Corall Ingenieure GmbH, Meerbusch (Brandschutz) / Energieberatung Frei GmbH & Co. KG, Reuth am Wald (Bauphysik) / Thorsten Spelter, Hilden (Vermessung) / Althoff & Lang, Köln (Baugrundgutschten)
Team: Hans Aescht (Projektleitung), Timo Bilhöfer, Henriette Commichau, Manuel Martinez, David Meurer (Stellv. Projektleiter), Anna Moch, Prottoy Shams
Bilder: Zooey Braun

