Nachhaltiges Freibad

In Biberach an der Riß gibt es ein neues Freibad mit Freizeit- sowie Schwimmerbecken und Racerrutsche. Der Ersatzneubau nimmt prägende Gestaltungselemente des historischen Bades aus den 60er Jahren auf und zeigt, wie Ressourcenschonung im Bereich Schwimmbadbau funktionieren kann. Das Freibad und das bestehende Hallenbad werden zukünftig als Kombibad genutzt.

Seit über 70 Jahren gehört das unmittelbar an ein Naturschutzgebiet grenzende Freibad zu den wichtigen Freizeitinstitutionen in Biberach. Nach einer Sanierung in den 90er Jahren haben wir im Januar 2023 im Auftrag der Stadtwerke Biberach mit dem Bau eines Ersatzneubaus sowie einer Umgestaltung der 8.700 m2 großen Fläche gestartet. Das Ziel war es, das Freibad näher an das bestehende Hallenbad zu rücken, das Kombibad weiterzuentwickeln und zu stärken. Unser Entwurf verbindet dabei prägende Elemente des historischen Bades – die kompakte, rechteckige Beckenanordnung und die großzügigen Liegewiesen – mit einem nachhaltigen Gesamtkonzept.

Grundlage des Entwurfskonzepts bildet ein Säulengang als lineare Erschließungsachse, an den alle bestehenden und neuen Funktionen angebunden sind. Dadurch ergeben sich kurze Wege, eine klare Orientierung und eine effiziente Nutzung der Flächen. Der Eingangsbereich wurde nachhaltig aufgewertet: Ein begrünter Vorplatz mit Sitzgelegenheiten, Bepflanzung sowie Fahrradabstellplätzen verbessert das Mikroklima und erhöht die Aufenthaltsqualität. Fuß- und Fahrverkehr wurden klar getrennt und ermöglichen einen sicheren, übersichtlichen Ankunftsbereich.

Das Herzstück des neuen Freibads: ein Holzpavillon. Der Holzbau besteht überwiegend aus regionalem Holz: Während Lärche die Fassaden und Trennwände prägt, wurde für die Stützen und Träger Douglasie verwendet. Unter einem gemeinsamen Dach konnten hier alle Funktionen für Badegäste, Vereine und Personal gebündelt werden. Entlang der Erschließungsachse wurden außerdem ein Funktionsgebäude sowie eine Aufenthalts- und Aktivitätszone angeordnet. Schattige Sitzbereiche mit Blick auf die Becken und Liegewiesen bieten Raum für Aufenthalt, Gastronomie, Bewegung und Erholung. Die baulichen Anlagen wurden in eine baumbestandene Liegewiese eingebettet und fügen sich selbstverständlich in die Landschaft ein.

Anstelle der vorherigen Freiform orientieren sich die beiden neuen Becken an der historischen, rechteckigen Form. Während das Freizeitbecken eine Fläche von 887 m2 misst, bietet das Schwimmerbecken eine Fläche von 363 m2. An das Freizeitbecken angeschlossen ist eine 70 Meter lange Racerrutsche mit drei Bahnen und digitaler Zeitmessung.

Ein wesentlicher Bestandteil des nachhaltigen Konzepts ist die nahezu autarke Energieversorgung des Freibads. Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Leistung von rund 160 kWp deckt im Sommer einen Großteil des Strombedarfs des Freibads und unterstützt im Winter die Versorgung des Hallenbads. Die Beckenwassererwärmung erfolgt über Solarabsorberplatten auf dem Dach. Ergänzend wird Brunnenwasser aufbereitet und für den Badebetrieb genutzt. Als Klimaanpassungsmaßnahme wurde eine neue Retentionsmulde integriert.

Auch im Umgang mit dem Bestand wurde Nachhaltigkeit konsequent umgesetzt: So wurde zum Beispiel das bestehende Edelstahlbecken rückgebaut und das Material an anderer Stelle weiterverwendet, anstatt entsorgt zu werden. Hochwertige, langlebige und pflegeleichte Edelstahlbecken sowie robuste Oberflächen tragen zusätzlich zu einem dauerhaft wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Betrieb bei. Eine weitere Besonderheit ist sicherlich, dass das Bad nicht nur pünktlich und ohne Verzögerung, sondern auch deutlich unter den angesetzten Kosten fertiggestellt werden konnte.

Projektinformation

Projektname: Freibad Biberach

Ort: Biberach an der Riß

Projektart: Ersatzneubau

Fertigstellung: 2025

Bauherr: Stadtwerke Biberach

Kooperation: Wenzel + Wenzel / gla gessweinlandschaftsarchitekten / wh-p GmbH Beratende Ingenieure, Möller + Meyer GmbH Gotha, Geyer & Fels Ingenieurbüro / EGS-plan / Corall Ingenieure GmbH

Team: Onur Canvarol, Bernhard Heinnickel, Claudia Maurer, Tamer Nasifoglu (Projektleitung), Achim Rosch, Matthias Wachter

Bilder: Zooey Braun