
Seepferdchen
in Nidda
Schwimmen gehört zu den Bewegungsformen, die über Altersgruppen hinweg wirken. Wenn sie fehlt, wird sichtbar, wie grundlegend sie ist – als Sport, sozialer Raum und körperlicher Sicherheit. Doch die Schwimmfähigkeit nimmt kontinuierlich ab. In Nidda trifft dieser gesellschaftliche Befund auf ein baufälliges Gebäude: das Hallenbad an der Gymnasiumstraße galt als einsturzgefährdet und ist seit zehn Jahren geschlossen. Der Ersatzneubau versteht sich als Wiederherstellung der verlorenen Infrastruktur unter neuen funktionalen, klimatischen und technischen Bedingungen.
Watercube
Der Entwurf basiert auf einem kompakten Baukörper mit 3.100 m2 Grundfläche, der in die städtebauliche Neuordnung der Sport- und Freizeitanlage eingebunden ist und einen gemeinsamen Ankunftsort aufspannt. Schräge Einschnitte brechen den Kubus auf, bilden mit Schaufenstern sowohl den Eingangsbereich als auch eine Terrasse aus und lenken den Blick auf die zentrale Schwimmhalle mit dem 25-Meter-Becken aus Edelstahl. Die durchgesteckte Halle wird von zwei seitliche Funktionszonen gefasst und öffnet über Glasfronten sein Lamellenkleids der Fassade zur Umgebung: dem Freibad im Süden und dem Zugang im Norden. Eine erhöhte Sockelzone schützt dabei vor unerwünschten Einblicken.



Intelligentes Ensemble
Prägende Maßgabe für das Konzept war der Kombibetrieb aus Freibad und Hallenbad, lediglich die Umkleiden und Sanitärbereiche werden ganzjährig genutzt. So gelangen BesucherInnen vom zweigeschossigen Foyer über den Umkleidebereich in einen Verteilergang. Im Sommer trennt eine Glaswand den Weg zur Schwimmhalle ab und lenkt die Badegäste ins Freibad, während der Gang in den Wintermonaten ins Innere führt.
Die Lage im Tal der Nidda sowie das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen bestimmten das Projekt auch konstruktiv: es folgt einer hybriden Logik. Aufgrund des hohen Grundwasserstands und Hochwasserrisikos wird das Gebäude aus dem Gelände gehoben und die Unterkellerungen auf ein Minimum reduziert. Ein Großteil der technischen Infrastruktur wie sowie Personalbereiche befinden sich demnach im Obergeschoss.
Ressourcenbewusst
Ein Variantenvergleich zwischen Beton- und Holzskelettstruktur, dass die Reduktion der Betonmasse eine erhebliche Verringerung der CO₂-Emissionen nach sich ziehen würde und bildete die Entscheidungsgrundlage für eine Holzhybridbauweise. Die im Erdreich befindlichen und aussteifenden Bauteile wie Fundamente, Untergeschoss und Erdgeschoss sowie die Kerne werden in Stahlbeton ausgeführt.
Darüber beginnt der Holzbau mit einem Stützenraster von 3,50 Meter und einem Tragwerk aus sichtbaren Leimholzbindern in Fichte und Tanne, die akustisch wirksame Holzdecken und darüber verlaufende Lüftung, Elektro- und Regenwasserleitungen tragen. Die umlaufenden Holzlamellen der Fassade setzen sich teilweise auch im Innenraum fort und schaffen eine Verbindung zwischen Gebäudehülle und Raum.
Eine Photovoltaikanlage auf dem extensiven Gründach und die Anbindung an das Nahwärmenetz über die neue Energiezentrale der Stadt reduzieren den Energiebedarf des Gebäudes und ermöglichen so den Energiestandard EG 40. Weiter verringert eine Zisterne für Regenwasserrückhaltung die Belastung des Entwässerungssystems.
Mit dem Watercube entsteht kein Symbolbau, sondern eine Infrastruktur, die den Bedarf beantwortet und den Zugang zum Schwimmen wiederherstellt. Inzwischen liegt die Baugenehmigung für das Projekt vor.
Projektinformation
Projektname: Hallen-Schwimmbad in Nidda
Ort: Nidda
Projektart: Ersatzneubau
Bauherr: Stadt Nidda – Technische Planungsleitungen im Tief- und Hochbau
Fertigstellung: voraussichtlich 2029
Kooperation: Möller + Meyer GmbH Gotha, Furche Geiger Zimmermann Tragwerksplaner GmbH, gla gessweinlandschaftsarchitekten, EGS-plan GmbH, Corall Ingenieure GmbH, Raible + Partner
Projektteam: Tobias Baumann, Julian Duder, Sonja Malm, Sven Maser, Achim Rosch (Projektleiter), Tamer Nasifoglu
Visualisierung: asp Architekten GmbH / Bilder: asp Architekten GmbH

